Restaurierung - ein mal in perfekt -kein Saab

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SAAB
900 I
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1992
Turbo
FPT
Restaurierung ist ein sehr dehnbarer Begriff. Hier mal eine echte in Perfektion
Habe gestern meinen Freund Sergey beim Zusammenbau seines Wagens besucht, er hatte sich einen ziemlich desolaten RR Silver Shadow Twodoor Coupé (ab 1971 in Corniche umbenannt) aus 1969 gekauft. Schweizer Erstauslieferung, Erstbesitzer Prinz Aga Khan.
Alleine die Karosseriearbeiten inkl. Lackierung verschlangen 47.000 Euro, hunderte von Stunden gingen drauf, viele Kilogramm Zinn. Holz, Leder, Teppiche, Chrom,Technik kommen noch dazu. Der Lack wurde anhand von versteckten Teilen mit Originallack mit vielen Mustern nachgemischt. Der Mann ist unglaublich akribisch bis ins letzte Schraubköpfchen und weltweit zusammengestöberter Originalmaterialien.

Hier mal in loser Abfolge ein paar Bilder, der Lack musste komplett runter, da TPK - Thermoplastischer Lack
 

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Abgesehen davon, dass es für ein solches Projekt sehr gute Leute für alle Gewerke braucht, um ein gutes Ergbnis zu erzielen, lässt sich mit einem solchen Budget natürlich recht sich gut arbeiten.
 
Leider war 82 Schluss mit dem Coupé. Wurden wohl zu wenige verkauft. Heikel sind die Übergänge an der A-Säule / an den Spitzen der Motorhaube, wo der Kotflügel übergangslos in die Karosserie übergeht. Da wurde werkseitig mal weniger, mal mehr Aufwand betrieben, um diesen verwundungsfreudigen Bereich zu stärken. Folge ist, dass durch da gern mal tiefe Risse auftreten, die man immer nur temporär zuspachteln kann und dann natürlich auch den Farbton treffen muss... und dabei auch daran denken muss, dass man auf Thermoplast lackiert... Es ist eine Kunst, solche Autos auf konventionelle Art beizulackieren (Dämpfungsschicht), aber trotzdem nie für länger. Irgendwann kommt man, will man es perfekt, tatsächlich nicht um die komplette Entlackung herum. Und die ist bei Thermoplastautos wirklich sündteuer, wenn man es machen lassen muss. Schön, dass jemand diesen Aufwand betreibt. Was ist denn mit Motor, Niveau und Elektrik? Lackiert wird ja doch eigentlich immer zum Schluss?
 
Ohne ein knapp 6-stelliges Budget geht es einfach nicht. Normalerweise wäre es noch deutlich teurer wenn nicht Sergey sehr viel Zeit und Arbeit selbst reingesteckt hätte. Die Corniche Coupé und Cabriolet sind ja im Gegensatz zum Shadow handgefertigt, alle Anbauteile mussten also angepasst werden. Wie gesagt bei TPK Lacken geht es nur mit komplettem abbeizen. Da die Wagen enorm akribisch gefertigt wurden, ist dann viel Karosseriearbeit nötig. Alleine wenn man sieht wie passgenau die Rückleuchten sitzen müssen, da ist noch nicht einmal ein halber Millimeter Luft, passt es, sieht es aus wie aus einem Guss. Die Technik ist komplett generalüberholt, speziell für die Hydraulik wurden einige Teile neu angefertigt. Achsen und Motor wurden einige Male ein- und ausgebaut. Da der Motor sehr gut lief, wurden nur die kosmetischen Arbeiten dort gemacht sowie Anbauteile erneuert oder restauriert. Wie bei RR üblich, war vieles völlig überkonstruiert, man meint, die Ingenieure hätten einen enormen Spieltrieb gehabt.
Die Karosserie und Lackarbeiten sind in Hamburg durchgeführt worden.
Dann gibt es noch kleine Besonderheiten, viele Dichtungen, Zwischenlagen und sichtbare Teile sind mit einem sehr dünnen Material belegt, ein gewebter und beschichteter Stoff in 0,4mm Stärke. Alle neuen "Kunstleder" fangen erst bei 0,6mm an, und -man glaubt es kaum- es geht nicht.
Nicht mehr aufzutreiben hiess es, dann ist er aber bei einem Buchbinder fündig geworden, die benutzen das noch. Rexine heisst es.
Jetzt ist er beim Zusammenbau, vier Jahre hat die ganze Chose gedauert.
 
Ohne ein knapp 6-stelliges Budget geht es einfach nicht. Normalerweise wäre es noch deutlich teurer wenn nicht Sergey sehr viel Zeit und Arbeit selbst reingesteckt hätte. Die Corniche Coupé und Cabriolet sind ja im Gegensatz zum Shadow handgefertigt, alle Anbauteile mussten also angepasst werden. Wie gesagt bei TPK Lacken geht es nur mit komplettem abbeizen. Da die Wagen enorm akribisch gefertigt wurden, ist dann viel Karosseriearbeit nötig. Alleine wenn man sieht wie passgenau die Rückleuchten sitzen müssen, da ist noch nicht einmal ein halber Millimeter Luft, passt es, sieht es aus wie aus einem Guss. Die Technik ist komplett generalüberholt, speziell für die Hydraulik wurden einige Teile neu angefertigt. Achsen und Motor wurden einige Male ein- und ausgebaut. Da der Motor sehr gut lief, wurden nur die kosmetischen Arbeiten dort gemacht sowie Anbauteile erneuert oder restauriert. Wie bei RR üblich, war vieles völlig überkonstruiert, man meint, die Ingenieure hätten einen enormen Spieltrieb gehabt.
Die Karosserie und Lackarbeiten sind in Hamburg durchgeführt worden.
Dann gibt es noch kleine Besonderheiten, viele Dichtungen, Zwischenlagen und sichtbare Teile sind mit einem sehr dünnen Material belegt, ein gewebter und beschichteter Stoff in 0,4mm Stärke. Alle neuen "Kunstleder" fangen erst bei 0,6mm an, und -man glaubt es kaum- es geht nicht.
Nicht mehr aufzutreiben hiess es, dann ist er aber bei einem Buchbinder fündig geworden, die benutzen das noch. Rexine heisst es.
Jetzt ist er beim Zusammenbau, vier Jahre hat die ganze Chose gedauert.

Vielen Dank für die interessanten Bilder.

Ob man das Budget - oder eventuell besser gesagt: Investitionsvolumen - als besonders hoch bezeichnet, hängt wahrscheinlich davon ab, was man letztendlich mit dem Fahrzeug vorhat oder machen kann.

Wenn man sich selbst ein Spaßmobil schaffen möchte, klar: ein sechstelliger Betrag ist immens.

Wenn der Wagen allerdings in desolatem Zustand war, wird sich das auch im Preis niedergeschlagen haben.

Kann man die Arbeiten technisch versiert selbst machen, Teile organisieren, den ursprünglichen Besitzer glaubhaft nachweisen und hat Zugang zum Weltmarkt (Connections etc.), dann wird man wahrscheinlich nicht lange warten müssen, bis sich ein solventer Kunde in Nahost findet, der aus seiner Portokasse einen siebenstelligen Betrag rausholt.

Ich kenne den Markt nicht, kann mir das nur gut vorstellen.

Dann wären 100T€ - sorry für das Unwort - "Peanuts".
 
Er will ihn behalten und hat ihn für sich gemacht, ein Verkauf kommt nicht in Frage. Desolat war er von Karosserie, Lack, Holz und Chrom her, gefahren ist er noch einwandfrei.

Hier noch ein paar Bilder, z.B. die Teppiche, original aus Schurwolle von der Firma Wilton waren da auch so ein Problemchen aufzutreiben. Gefunden wurde ein Hersteller in Italien, der die exact gleiche Qualität noch herstellt.
 

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ja, eben dort nicht gefunden! Vor allem nicht in der Farbe, er hat den Hersteller selbst gefunden. Ich hatte für meinen Jaguar auch Wilton gesucht und auch nicht bei Steenbuck gefunden. Fertige Teppichsätze lohnen fast nie, weil sie nicht perfekt passen. Für meine Jag hat der Sattler erst mal aus billigem Teppich passgenaue Muster gefertigt und dann die richtigen aus dem Wilton Material mit den Kunstlederkedern.

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Wahnsinn!
Respekt vor der Leistung.

Das echte Holz vom Innenraum, hat er das selbst instandgesetzt? Da fällt mir spontan der Bootsbau ein, die Jungs kennen sich auch hervorragend mit so einem Finish aus :)
 
Nein, das hat er nicht selbst gemacht, es sollte perfekt werden und das kann nur ein Fachmann.
 
Nein, das hat er nicht selbst gemacht, es sollte perfekt werden und das kann nur ein Fachmann.

Habe den Eindruck, in Autoschrauberkreisen ist der Respekt vor Arbeiten am Holz überdurchschnittlich hoch.
Bin da zwar Fachmann auf dem Gebiet und restauriere viel, auch Bootsbau, aber Holz und Furnier sind doch recht dankbare Werkstoffe.
Kann sich jeder, der handwerklich geschickt ist ruhig mal rantrauen und natürlich vorher einlesen/probieren.
An den Metallarbeiten hat doch auch jeder erstmal rumprobiert, aber erfordert natürlich bissel anderes Vorgehen.
Zumal an den meisten Wagen gar nicht so viel hölzernes dran ist.
Aber klar, je perfekter der Anspruch, je weniger wird man selbst erledigen.

Bei mir ist's oft andersherum, wenn's richtig gut werden soll, mach' ich's lieber in Eigenleistung! :-))
 
Das Risiko wäre mir, vor allem bei einem Auto das perfekt werden soll, zu hoch. Dann sind es auch bei dem Wagen unendlich viele Teile (nicht alle im Bild zu sehen) Jede Scheibe hat so z.B. einen furnierten Holzrahmen. Muss auch noch Furnier erneuert werden, braucht man eine Vakuumpresse.
Sergey hat viele Vorarbeiten gemacht und macht die Endmontage, da gehen auch viele viele Stunden drauf.
 

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Ah, schön!
Hoffentlich ist die verwendete Beize, die auf der Hobelbank steht lichtecht.
Lustig ist das Malle - Handtuch unter den edlen Hölzern! ;-)
 
Hell und matt wie auf dem dritten Bild gefällt mir das Holz viel besser als die dunklen und glänzenden Hölzer, die in älteren Autos of verbaut sind. In den aktuellen Modellen von Audi und Volvo geht man ja jetzt diesen Weg.
 
Matt würde bei diesen Autos nicht passen, hier das Armaturenbrett meiner 73er Corniche, dass der 69er ist nur geringfügig anders. Das Holzlenkrad war auf Wunsch nur 72/73 lieferbar.
 

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Hell und matt wie auf dem dritten Bild gefällt mir das Holz viel besser als die dunklen und glänzenden Hölzer, die in älteren Autos of verbaut sind. In den aktuellen Modellen von Audi und Volvo geht man ja jetzt diesen Weg.


Bei den modernen Kisten ist es ja so wie mit der Kleidung. Jedes Jahr ein anderer neuster Schrei. Diese glänzenden sich in der Windschutzscheibe spiegelnden Dekoreinlagen haben mich noch nie wirklich begeistert. Anders das hier gezeigte Holz.

Hut ab vor der Leistung die in dieses Fahrzeug gesteckt wird. Hoffe der Beitzer wird später immer ein freudiges Lächeln in seinen Gedanken haben, wenn er den Wagen bewegt.
 
Sergey ist fleissig, der Zusammenbau geht voran, die Scheiben sind drin (bei der Frontscheibe passte erst die dritte Dichtung) alles passt perfekt, ist echte Millimeterarbeit.

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Erstaunlich, wie improvisiert der Instrumentencluster unter der Hochglanz-Holz-Fassade aussieht...
 
Dafür blenden dann die Blenden :smile: (bzw die Holzapplikationen)
 
Improvisiert und blendend. Ich kann nicht folgen :redface:
 
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