Suizid...also freiwilliger Vorgang zum Ableben

Hier möchte ich dir widersprechen. Ich denke nicht, dass es gut wäre, wenn es diese Möglichkeit für alle geben würde. Wenn man die Hemmschwelle durch solche Maßnahmen senkt, werden mehr Betroffene diesen Weg gehen, auch aus einer Kurzschlussreaktion oder aufgrund von Depressionen etc.
Als begleiteten Suizid z.B. im Krankenhaus für unheilbar Kranke könnte ich es mir vorstellen. Aber Menschen mit seelischem Leid und Schmerz sollte man davor schützen und nicht den „Weg ebenen“.

So sehe ich das Auch. Für mich macht es einfach einen Unterschied, ob man aufgrund von "Physischer Tatsachen" oder aufgrund von "Psychischer Tatsachen" Aus dem Leben scheiden möchte.
 
Zum ersten Mal in 10 Jahren von mir:
Bitte schließen.
moin wir haben das intern diskutiert und entschlossen, ihn offen zu lassen
ist halt stammtisch und es ist niemend gezwungen mitzulesen oder gar zu kommentieren
 
Aber über die Rücksichtslosigkeit von jemand der sich das Leben nehmen will zu unterhalten geht mir persönlich zu weit und hat mit dem eigentlichem Thema nichts, aber schon gar nichts zu tun.
Dein Entsetzen kann ich verstehen, und noch mehr kann das jeder, der einmal mit so einem Ereignis unmittelbar konfrontiert wurde.

Aber so schwer es fallen mag, es zu akzeptieren: auch das gehört zu dem Thema dazu, das ist ja gerade ein Teil der Krankheit, die den Betroffenen so sehr in sich selbst einschließt, die ihm das eigene Leiden so unerträglich und den Rest so unbedeutend werden lässt, dass diese Gedanken gar nicht mehr zur Geltung kommen. Und das betrifft ja nicht nur die, die als Außenstehende in den Suizid "verwickelt" werden, sei es als Zeugen oder Lokführer, sondern auch Angehörige, die Liebsten, die man schockiert und ratlos zurücklässt...

Insofern trifft zu was hb-ex dazu schrieb, und ich hoffe, du kannst das nachvollziehen oder zumindest akzeptieren, den Thread nicht deswegen zu schließen.

Bei der Gelegenheit möchte ich auch Cameo für seine Anmerkung in #16 danken!
 
moin wir haben das intern diskutiert und entschlossen, ihn offen zu lassen
ist halt stammtisch und es ist niemend gezwungen mitzulesen oder gar zu kommentieren
Dein Entsetzen kann ich verstehen, und noch mehr kann das jeder, der einmal mit so einem Ereignis unmittelbar konfrontiert wurde.

Aber so schwer es fallen mag, es zu akzeptieren: auch das gehört zu dem Thema dazu, das ist ja gerade ein Teil der Krankheit, die den Betroffenen so sehr in sich selbst einschließt, die ihm das eigene Leiden so unerträglich und den Rest so unbedeutend werden lässt, dass diese Gedanken gar nicht mehr zur Geltung kommen. Und das betrifft ja nicht nur die, die als Außenstehende in den Suizid "verwickelt" werden, sei es als Zeugen oder Lokführer, sondern auch Angehörige, die Liebsten, die man schockiert und ratlos zurücklässt...

Insofern trifft zu was hb-ex dazu schrieb, und ich hoffe, du kannst das nachvollziehen oder zumindest akzeptieren, den Thread nicht deswegen zu schließen.

Bei der Gelegenheit möchte ich auch Cameo für seine Anmerkung in #16 danken!
Alles gut...
Hat einen Nerv getroffen.
Cameos Anmerkung unterschreibe ich voll und ganz.
 
Hier möchte ich dir widersprechen. Ich denke nicht, dass es gut wäre, wenn es diese Möglichkeit für alle geben würde. Wenn man die Hemmschwelle durch solche Maßnahmen senkt, werden mehr Betroffene diesen Weg gehen, auch aus einer Kurzschlussreaktion oder aufgrund von Depressionen etc.
Als begleiteten Suizid z.B. im Krankenhaus für unheilbar Kranke könnte ich es mir vorstellen. Aber Menschen mit seelischem Leid und Schmerz sollte man davor schützen und nicht den „Weg ebenen“.

Es geht nicht darum, suizidwilligen Menschen die Sache zu erleichtern,
sondern diese so zu gestalten, dass sie sich Hilfe holen können, ohne von
Moralaposteln oder Pfarrern belabert zu werden. Wer keinen Ausweg mehr
sieht und - warum auch immer - nicht mehr leben möchte, sollte das auf
legale Weise tun können, ohne die von mir beschriebenen Horrorszenarien.
Den Lokführer oder Lkw-Fahrer, noch schlimmer kleine Kinder, darf man nicht
derart traumatisieren und vielleicht für das ganze Leben beeinträchtigen.
Die können nichts dafür und müssen geschützt werden. Aktuell ist es doch so,
dass jemand bewusst niemanden anspricht, um den Moralpredigern aus dem
Weg zu gehen und oft ist es denen auch scheißegal, was sie anderen antun.
Das ist bei allem Verständnis eben purer Egoismus.

Im anderen Fall:
Wenn ein Angehöriger nur noch künstlich am Leben gehalten wird und
mit Schmerzmitteln vollgepumpt wird, den Verwandten anbettelt, ihm
zu helfen, steht der quasi schon im Gefängnis. Hier muss es ganz klare
Regelungen geben, um diese Situation zu vermeiden. Da prozessiert
doch wohl immer noch einer, der gerade noch den Kopf bewegen kann.
Eine höchstrichterliche Entscheidung dauert durch alle Instanzen hindurch
oft viele Jahre. Ich hoffe, dass da bald Klarheit herrscht und sich die
Richter nicht scheuen, die Kirche(n) vor den Kopf zu stoßen.
 
Im anderen Fall:
Wenn ein Angehöriger nur noch künstlich am Leben gehalten wird und
mit Schmerzmitteln vollgepumpt wird, den Verwandten anbettelt, ihm
zu helfen, steht der quasi schon im Gefängnis.
Ich kann mir vorstellen, was du eigentlich meinst - aber dieses Beispiel ist so wie beschrieben unglücklich gewählt, weil es den Kern nicht trifft.

Solange der Patient selbst in der Lage ist, Angehörige um Hilfe zu bitten, ist er in der Lage, seinen Willen zum Ausdruck zu bringen - und solange er das kann, darf ihm niemand therapeutische Maßnahmen aufzwingen, die er nicht will, und so kann er selbst die Fortsetzung der lebenserhaltenden Maßnahme selbst verweigern.

Und für den Fall, dass er dazu nicht mehr in der Lage ist, gibt es Patientenverfügungen, die für alle genauso bindend sind wie die mündliche Willenserklärung, solage der Patient dazu noch in der Lage ist. WENN diese Erklärung so verfasst ist, dass sie zum einen den Willen und die Situation, für die sie gelten soll, zweifelsfrei erkennen lässt und für die Praxis geeignet ist. Und das ist oft aus verschiedenen Gründen leider nicht der Fall.

Deshalb kann man nicht genug Wert darauf legen, dass diese Patientenverfügung so klar und aussagekräftig wie möglich ist.
Leider ist das bei der größten Zahl der kursierenden Vordrucke, die meist von Juristen erstellt und verteilt werden, absolut nicht der Fall!
Da ist ein Angehöriger, der diesen Willen kennt, akzeptiert und klar und unmißverständlich vorträgt, oft die bessere Weise, diesen zum Ausdruck zu bringen und ihm Geltung zu verschaffen, selbst wenn gar keine schriftliche Erklärung vorliegt. Und eine Vorsorgevollmacht ist in dem Zusammenhang eine große Hilfe.

Und noch ein Wort zu dem Ausdruck "mit Schmerzmitteln vollgepumpt".
Das ist eine verbreitete Formulierung, die leider negativ besetzt ist und so an der Realität sehr vorbei geht! Jeder, der schon Patienten mit stärksten Schmerzen erlebt hat, weiß, wie segensreich eine wirksame Schmerztherapie ist, und ich kenne niemanden, der sie sich nicht wünscht, wenn alle kurativen Behandlungsmöglichkeiten ausgesschöpt oder lebenserhaltende nicht mehr gewünscht werden, und nicht umsonst gehört sie zu den Grundsäulen der Palliativmedizin.

Aber das wird ein anderes Thema, zu dem es viel zu sagen gäbe, das nur am Rande hierher gehört.
 
Ich habe nichts gegen Schmerzmittel geschrieben, aber weiß aus meiner
Umgebung, dass ein krebskranker Patient in immer kürzeren Abständen
Morphium usw. bekam. Sobald die Wirkung nachließ begann er vor Schmerzen
zu schreien - fast unmenschlich. Er wollte es auch so schnell wie möglich
hinter sich haben. Warum auch immer, er wurde wochenlang gequält.
Könnte man auch Folter nennen.
 
Ab
Es geht nicht darum, suizidwilligen Menschen die Sache zu erleichtern,
sondern diese so zu gestalten, dass sie sich Hilfe holen können, ohne von
Moralaposteln oder Pfarrern belabert zu werden. Wer keinen Ausweg mehr
sieht und - warum auch immer - nicht mehr leben möchte, sollte das auf
legale Weise tun können, ohne die von mir beschriebenen Horrorszenarien.
Den Lokführer oder Lkw-Fahrer, noch schlimmer kleine Kinder, darf man nicht
derart traumatisieren und vielleicht für das ganze Leben beeinträchtigen.
Die können nichts dafür und müssen geschützt werden. Aktuell ist es doch so,
dass jemand bewusst niemanden anspricht, um den Moralpredigern aus dem
Weg zu gehen und oft ist es denen auch scheißegal, was sie anderen antun.
Das ist bei allem Verständnis eben purer Egoismus.

Im anderen Fall:
Wenn ein Angehöriger nur noch künstlich am Leben gehalten wird und
mit Schmerzmitteln vollgepumpt wird, den Verwandten anbettelt, ihm
zu helfen, steht der quasi schon im Gefängnis. Hier muss es ganz klare
Regelungen geben, um diese Situation zu vermeiden. Da prozessiert
doch wohl immer noch einer, der gerade noch den Kopf bewegen kann.
Eine höchstrichterliche Entscheidung dauert durch alle Instanzen hindurch
oft viele Jahre. Ich hoffe, dass da bald Klarheit herrscht und sich die
Richter nicht scheuen, die Kirche(n) vor den Kopf zu stoßen.
Absolute Zustimmung!
 
Als ich 19 Jahre alt war , hat man bei meinem Vater Krebs festgestellt . Ein Tumor, so groß wie ein Kinderkopf, verwachsen mit der Hauptschlagader . Damals , 1974 , war man wahrscheinlich noch nicht soweit wie heute . Es wurde die Milz entfernt, damit die Schmerzen nicht mehr so schlimm sind , sagte man uns . Ich habe meinen Vater danach aus der Klinik zu mir genommen und ihn gepflegt bis er versarb . Er selbst hatte nicht gewusst, was er hat, damals sagten die Ärzte es den Patienten ja nicht . Jednfalls war es dann so, nach einer Woche wurde der Zustand wieder schlechter , es kamen Gelbsucht Gürtelrose und weiß ich was dazu, dass der Hausarzt mogens und abends kam , um Morphium zu spritzen, weil es mein Vater sonst nicht ausgehalten hätte vor Schmerzen . Dies alles ging 3 Monate so , bis er nachts eingeschlafen ist . mitbekommen hatte er das durch die Medikamente nicht, er hatte zumindest nichts gesagt. Im Gegenteil, er wolte, wenn er gesund ist den Motorradführerschein machen . Mein Vater war Berufssoldat , von 1944 bis 1953 in Sibierien in Gefangenschaft , hatte solange er lebte nie über Schmerzen geklagt , egal was er hatte . Da die Spritzen und Ampullen auf seinem Nachttisch lagen, glaube ich, wenn er geahnt hätte, was auf ihn zukommt, hätte er sich selbst von allem befreit , indem er sich selbst gespritzt hätte . Er hatte ja schon Momente, wo er völlig klar war , ging ja auch alleine in der Nacht aufs WC , ohne etwas zu sagen . Damals hatte ich das alles nicht so begriffen und immer geglaubt, er wird wieder gesund . Im Nachhinein war das alles aber nur noch ein Warten auf den Tod für ihn . Aber diese Zeit war für die Familie schon hart , ich weiß nicht, ob wir noch lange durchgehalten hätten, denn sowas wie eine Sozialstation gab es damals ja noch nicht und ihn alleine lassen , das war ja nicht möglich , es hätte ja etwas passieren können, dass ein Arzt gerufen werden musste oder der Rettungsdienst .
Jedenfalls stand es nie zur Debatte , etwas anderes zu tun als was dann auch getan wurde , ihn zu pflegen solange es geht .
 
Es geht nicht darum, suizidwilligen Menschen die Sache zu erleichtern,
sondern diese so zu gestalten, dass sie sich Hilfe holen können, ohne von
Moralaposteln oder Pfarrern belabert zu werden. Wer keinen Ausweg mehr
sieht und - warum auch immer - nicht mehr leben möchte, sollte das auf
legale Weise tun können, ohne die von mir beschriebenen Horrorszenarien...

Persönliche habe ich in den letzten Jahren einige Erfahrung mit an Depression leidenden Menschen gemacht. Viele von denen können nach der richtigen Diagnse und längerer Behandlung in ein weitestgehend normales Leben mit Lebensfreude und Zuversicht zurückkehren. Was für diese Menschen in den Momenten in denen Sie eine "Episode" haben völlig unwahrscheinlich scheint - auch sie sehen da keine Perspektive und haben jeglichen Lebenswillen verloren. Wenn es hier die Möglichkeit gibt schmerzfrei und ohne entsprechende Beratung/Gespräche mit "Moralaposteln" (Mediziner, Geistliche...) seinem Leben schnell ein Ende zu setzen, würden solche Leiden viel mehr Familien zerreißen/zerstören als sie es sowieso schon tun.

Ähnlich sehe ich das beim Thema Liebeskummer oder anderem Trennungsschmerz. Für viele (vor allem junge Menschen) scheint dieser in den ersten Tagen/Wochen unüberwindbar und kann bei entsprechenden Angebot dazu führen, dass diese Menschen, denen ggf. noch ein langes und glückliches Leben bevorgestanden hätte, den vermeintlich leichten Weg gehen. Was Angehörige und Freunde dann zusätzlich belastet...

Für körperlich unheilbar Kranke, die den Lebenswillen verloren haben und nach reichlicher Überlegung/Beratung/Gesprächen würde ich aber eine solche Möglichkeiten legalisieren (betreute Sterbehilfe).
 
@ fritzedd: Du hast mich nicht verstanden. Ich habe nicht gesagt, dass ein suizidwilliger Mensch
in die Apotheke geht und sich eine Spritze kauft. Er sollte eine Anlaufstelle haben, wo nicht mit
Moral und religiösem Gedöns auf ihn eingelabert wird, wo ihm nicht mit Sünde und was weiß ich
noch alles ein schlechtes Gewissen gemacht wird. Aber wo er ganz sachlich Beratung bekommt,
evtl. auch Hilfsangebote für den jeweiligen Anlass, aber letzten Endes entscheiden darf, ein Mittel
für einen schmerzfreien Tod kaufen zu dürfen. Das ist allemal besser als die Art und Weise, wie
sehr viele Leute sich umbringen. Es würde auch verhindern, dass andere Menschen völlig unschuldig
verwickelt und traumatisiert werden.
 
..... Wer keinen Ausweg mehr
sieht und - warum auch immer - nicht mehr leben möchte, sollte das auf
legale Weise tun können, ohne die von mir beschriebenen Horrorszenarien.
Ich habe berufsbedingt mit Suizidenten zu tun gehabt. Bei mir ist oft der Eindruck entstanden, dass das keinen Ausweg mehr sehen, sehr spontan geschieht, nicht immer gut durchdacht ist und häufig auch auf fehlender Lebenserfahrung beruht und sehr stark situationsbedingt ist.
Wie sonst lässt sich sonst erklären, dass die meisten von einem Suizid geretteten danach durchaus lange weiterleben.
Mein Kollege und ich haben zweimal einen Talsperrenmauerspringer von der falschen Seite der Mauer wieder zurück geholt. Diese beiden habe danach ein ganz normales Leben geführt, Heirat, Beruf, Familie und so weiter. In einem anderen Fall ist dem Kollegen während des Gesprächs der gute Mann gesprungen.
Ich habe einen 16jährigen nach einem Brückensprung von den Bahngleisen (Tod durch Sprung) geholt und die Eltern benachrichtigt. Nachweislich ist er wegen dem ersten Liebeskummer gesprungen. Mit 16. Was für eine Tragödie. Insofern möchte ich in dem Zitat lieber schreiben " Wer keinen Ausweg mehr sieht und -warum auch immer - in diesem Moment nicht mehr Leben möchte....
Suizid ist häufig eine momentane Entscheidung, die sich so nicht halten lässt.
Ausgenommen sind hier natürlich die vielen Fälle, der Leidensvermeidung und verlorenen Lebenswürde bei Krankheit. Das ist meistens wohl überlegt und durchdacht.
Dass Beeinflussung durch christliche Theologie oder Pfarrergelaber eine Rolle spielen ist nur bedingt haltbar. Wer möchte, kann ja mal Dietrich Bonhoeffer und seine christlichen Gedanken zur Selbsttötung lesen.
Ach ja, ich vergaß, das soll keinen Vorwurf an Suizidenten darstellen.
Und in wie weit persönliche Gründe für einen Suizid gerechtfertigt sind und eine Sache des Suizidenten sind kann ja gerne mal mit zu einer Benachrichtigung der Angehörigen gehen, am besten so in den frühen Morgenstunden und darüber hinaus kann man sich auch mal mit dem Thema erweiterter Suizid beschäftigen. Da wird es dann fraglich, in wie weit das noch durchdacht ist oder was der Hintergrund ist?!

Grüße

Uli
 
Zuletzt bearbeitet:
Noch eine Geschichte zum Thema:
Urlaubs - Bekanntschaft in der Toskana, 2 Paare, eines davon hatte ein Jahr zuvor ihre Tochter verloren, die sich das Leben genommen hatte.
Der erste Versuch eines Urlaubs, ich weiß nicht, wie sie es ausgehalten haben.
Das andere Paar hatte seine kleine Tochter dabei, der man erzählt hatte, die Tochter der Freunde sei die Treppe runtergefallen...
Schrecklich.
 
Zunächst möchte ich mich für die große Resonanz bedanken. Da bin ich jedenfalls nicht allein, der sich bei diesem Thema Gedanken macht.
...
Suizid...oder Sterbehilfe bei schwer Kranken...sollte man dabei aber deutlich unterscheiden.
Meine Mutter ist an Krebs erkrankt und nach etlichen Jahren hatte sie keine Lust mehr auf Chemo oder Bestrahlungen...un durfte danach die letzten Monate zuhause verbringen. Der Hausarzt hat sich täglich drum gekümmert und kam auch durch Zuruf 3-4 mal täglich.
Morphin war das Mittel, um Schmerzen zu vermeiden...und ich vermute, daß es zum Schluß ein bißchen mehr gab, um dem Elend ein Ende zu bereiten.
Da war der Weg ja schon seit Wochen klar. Es gab keine Besserung oder gar Heilung. Und irgenwann ist der Zeitpunkt gekommen, wo der Körper nicht mehr funktioniert. Nieren, Leber geben die Funktion auf und dann gibt der Blutkreislauf auf. Ob von selbst oder durch ein bißchen mehr Morphin, ist da völlig egal.
...
Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, als Ersthelfer am Unfallort zu sein und dreimal konnte ich nur noch tote Menschen bergen.
Sowas geht nicht spurlos vorrüber. Und bei einem Fall habe ich tatsächlich Wochen gebraucht, um damit klar zu kommen.
Aber das waren Unfälle und nicht wissentlich herbeigeführt.
...
Oft sind es ja junge Menschen, oft erst in der Pubertät, die kurzschlußartig den Schritt machen.
Zwei Schulkameraden haben sich mit 15 oder 16 in den Tod befördert. Einer ist vom 14. Stockwerk gesprungen...und der andere vor einen Linienbus.
Im Jahrgang meiner Kinder kam es ebenfalls zu 3 Fällen. Sprung in den Rhein, Pulsadern aufgeschnitten, und ein Sprung in eine Hochspannungsanlage incl. Verbrennungen, die nicht mehr zu überleben waren.
Und da waren es immer irgendwelche Gründe, die meist mit der Schule zu tun hatten. Mobbing oder erste Liebe, aber auch Versagen in den Leistungen.

Ich habe diesen Thread eröffnet, weil ich wieder mal direkt mit zwei Fällen konfrontiert wurde. Und die Angehörigen kommen damit nicht zurecht.
Der alte Mann hat sich in den Rhein begeben...und ist bisher nicht gefunden.
Und der junge Mann von 25 Jahren...da ist absolut kein Grund zu erkennen.
...
Wenn sehr junge Menschen sich das Leben nehmen...hat das gesamte Umfeld versagt. Elternhaus, Schule, Freunde/Vereine.
Und vielleicht sollte man da ein bißchen genauer hinschauen. Bei den eigenen Kindern, aber auch in der Nachbarschaft oder Kameraden und Freunden der eigenen Kinder...und ein bißchen später auch bei den Enkelkindern.
 
Und der junge Mann von 25 Jahren...da ist absolut kein Grund zu erkennen.
...
Wenn sehr junge Menschen sich das Leben nehmen...hat das gesamte Umfeld versagt.
Ja, nein, nein und ja.
Ja, nach außen ist machmal wirklich kein Grund erkennbar, nicht mal im Nachhineien. Aber nein, das heißt nicht, dass es keinen gab - und er kannte ihn.

Und nein, das Umfeld hat nicht versagt.
Es gibt wirklich Fälle, in denen so ein Suizid völlig überraschend passiert, ohne irgendwelche vorher erkennbaren Anzeichen, oft nicht einmal im Nachhinein, und ebenso ohne einen erkennbaren "Grund". Und es ist erstaunlich, wie ausgeprägt im Umfeld das Bedürfnis danach ist, so einen Grund fassen zu können, was da dann zusammenfabuliert wird! Möglicherweise steckt dahinter das Bedürfnis, das Unverständliche und Beängstigende darin verstehen zu können, einen rationalen Zugang dazu zu schaffen, der einen beruhigen kann, weil man sich dann sagen kann: "Na, das wäre aber für mich ja kein Grund gewesen".

Gerade solche Suizide kann niemand verhindern - und in diesen Fällen gibt es kein Versagen des Umfeldes.
Das einzige "Versagen" kann dann darin bestehen, das Geschehene zu tabuisieren, nicht darüber zu reden oder Vorwürfe an den Betroffenen, Dritte oder gar sich selbst zu richten! Das ist IMHO das Wichtigste an der Stelle, weil sich solche Schuldgefühle sonst erbarmungslos verselbständigen, in der Famile festsetzen und immer wieder zu Problemen und Konflikten führen können.

Ich weiß, dass sich das als Außenstehender leicht redet - aber glaub mir, dass ich weiß, was ich sage!
 
Und nein, das Umfeld hat nicht versagt.
Es gibt wirklich Fälle, in denen so ein Suizid völlig überraschend passiert, ohne irgendwelche vorher erkennbaren Anzeichen, oft nicht einmal im Nachhinein, und ebenso ohne einen erkennbaren "Grund". Und es ist erstaunlich, wie ausgeprägt im Umfeld das Bedürfnis danach ist, so einen Grund fassen zu können, was da dann zusammenfabuliert wird! Möglicherweise steckt dahinter das Bedürfnis, das Unverständliche und Beängstigende darin verstehen zu können, einen rationalen Zugang dazu zu schaffen, der einen beruhigen kann, weil man sich dann sagen kann: "Na, das wäre aber für mich ja kein Grund gewesen".

Gerade solche Suizide kann niemand verhindern - und in diesen Fällen gibt es kein Versagen des Umfeldes.
Das einzige "Versagen" kann dann darin bestehen, das Geschehene zu tabuisieren, nicht darüber zu reden oder Vorwürfe an den Betroffenen, Dritte oder gar sich selbst zu richten! Das ist IMHO das Wichtigste an der Stelle, weil sich solche Schuldgefühle sonst erbarmungslos verselbständigen, in der Famile festsetzen und immer wieder zu Problemen und Konflikten führen können.

Hiermit wäre für mich alles gesagt.
Danke Ralph.
 
Und vielleicht sollte man da ein bißchen genauer hinschauen. Bei den eigenen Kindern, aber auch in der Nachbarschaft oder Kameraden und Freunden der eigenen Kinder...und ein bißchen später auch bei den Enkelkindern.
Ich vergaß leider in #37, dir in diesem Punkt voll und ganz zuzustimmen!
 
Ich möchte dieses Thema eventuell zu einem Abschluss bringen, indem ich euch erzähle, daß es tatsächlich eine Bestattung gibt.
Nach den Abschiedsbriefen ist der Todestag auf den 27.02.22 festgelegt worden.
Gefunden und anschliessend per Gerichtsmedizin per Gebiß identifiziert am 17.03. Also 3 Wochen im Rhein getrieben und in Holland in der Waal gefunden.
Allein diese 3-4 Wochen sind für die Angehörigen unerträglich. Und Freunde und gute Bekannte sind dabei ebenfalls psychisch beeinträchtigt.
(wer jemals eine Wasserleiche gesehen hat...kann sich vorstellen, wie die Bergungskräfte sich vorher schon mit Mittelchen dopen müssen, um den Anblick und den Geruch zu ertragen)
...
Es war ein geplanter Suizid...mit 3 Abschiedsbriefen. An die beiden Töchter und an seine Freundin.
...
Ich kenne die Familie seit über 40 Jahren. Und er war immer ein Kerl mit knallharter Kante.
Hätte er sich in der Garage mit dem Abschleppseil erhängt...das wäre für mich plausibel...grade Kante, weg vom Fenster.
Das hätte zu ihm gepasst...und im Testament nochmal den Erben richtig einen reindrücken...
(hört sich böse an...aber letztendlich war er immer der Mann, der forderte und auch gab. Ein Familienvater der alten Schule...weil er es so gelernt hat. Knute und Butterbrot.)
...
Angeblich gab es Anzeichen von Demenz...aber nicht aus ärztlicher Sicht.
(ich habe auch mit 60 Wortfindungsschwierigkeiten. Will nicht wissen, wie es in 18 Jahren so aussieht).
...
Finanziell häte er im Wohnheim 100 werden können. Finanziell absolut im machbaren Bereich.
Körperlich fit, jeden Tag auf dem Fahrrad.
...
Die Asche geht morgen in die Erde.
Ich habe fast 40 Jahre sehr viel Spaß mit ihm gehabt. Wir haben gemeinsam gearbeitet...und noch mehr gefeiert.
Und rund 3000 andere Leute auch. Aber davon leben nicht mehr soviele.
...
Ich habe sehr viele Menschen gesprochen, die ihn auch gut kennen...es gab wirklich keinen ersichtlichen Grund, freiwillig den Weg ins Jenseits anzutreten.
...
Nach so vielen Wopchen werden die Töchter hoffentlich einigermaßen gefasst sein und durch ihre fast erwachsenen Kinder gestützt.
(Männer gibt es hoffentlich auch noch)
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Wenn die Einschläge näher kommen...wird es merkwürdig.
1965 war vom "96er"
Zui früh.
Denn ich leb noch.
 
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